Bilder als Medium

Johanna Clara Becker von der Kunstakademie Düsseldorf zeigt ihre neuesten Werke im Artspace Nexus.



Johanna Clara Becker wurde 1995 in Krefeld geboren. Nach dem Abitur studierte sie Malerei von 2015 – 2016 an der Hochschule der bildenden Künste in Essen. Im Jahr 2016 wechselte sie an die Kunstakademie Düsseldorf, wo sie seither Freie Kunst studiert. Ihre Werke sind bereits in renommierten Ausstellungen gezeigt worden: DIE GROSSE, im Museum Kunstpalast (2018), im Kunsthaus Mettmann (2018) und im BBK-Kunstforum Düsseldorf (2017). Das junge Museum Bottrop zeigte im Jahr 2018 eine Einzelausstellung von Johanna Clara Becker. Im selben Jahr waren ihre Werke in New York in einer Privatausstellung mit ihrer Klasse von Prof. Stefan Kürten zu sehen. In diesem Jahr gewann sie den 2. Künstler-Kunstpreis bei der Ausstellung “Revierkunst” in der Zeche Ewald.


Johanna Clara Becker

Du bist 1995 in Krefeld geboren. Du hast in Essen Malerei studiert. Seit 2016 bist Du an der Kunstakademie Düsseldorf. Wie bist Du zur Kunst gekommen?


Meine ganze Familie malt oder zeichnet. Als Jüngste von sechs Kindern väterlicherseits war es mir nur bedingt möglich, die künstlerische Aufmerksamkeit zu bekommen. Alle Familienmitglieder haben eine Affinität zur Farbe und zur künstlerischen Gestaltung, da geht man unter so vielen schon leicht unter. Mit 18 Jahren stand dann der Entschluss fest, dass ich Kunst studieren möchte. Von der einen Hälfte wurde ich belächelt, und die andere Hälfte der Familie hat mich in meinem Vorhaben unterstützt. Letztlich war es aber erst der Zulassungsbescheid von der Kunstakademie Düsseldorf, der meine Familie gänzlich davon überzeugte, dass ich ein künstlerisches Talent haben müsste. Seit 2016 studiere ich an der gleichen Akademie, wie mein Bruder es bereits bei Fritz Schwegler getan hat. Für mich war es eine Entscheidung die ganz klar war. In der Kunst musste ich nie erst einen Sinn finden, der mich motiviert hat etwas zu schaffen. Die Kunst war für mich immer Teil meines Lebens, von klein auf. Sie war einfach da und Sinn genug.


Welchen Einfluss haben die Kunstakademie und Deine Professoren auf Deine Malerei?


Dass eine Zulassung einer Kunstakademie über das künstlerische Können entscheiden soll, ist, glaube ich, eigentlich nicht der richtige Weg. Ich wurde auch erst beim dritten Versuch aufgenommen und bin selbst danach weiter meinen eigenen Weg gegangen. Tatsächlich war die Kunstakademie wider meiner hohen Erwartungen eher enttäuschend. Wirklich beeinflusst haben mich die Akademie oder die Professoren nicht. Mein erster Professor Stefan Kürten war leider nur noch ein Jahr an der Akademie, nachdem ich in seine Klasse gekommen bin. Im Gegensatz zu anderen war er hoch motiviert. Er hat mich darin beeinflusst, dass er mich einfach hat machen lassen, und nichts in Frage gestellt hat. Er hat uns seine Zeit und seine Ratschläge geschenkt. Er hat nicht angezweifelt, dass ich keine Hilfestellung brauchte. Ich denke mit diesem positiven Gefühl werde ich auch die Akademie verlassen. Die Akademie ist für mich kein Ort der großen Worte oder des Austausches. Es ist eher eine Zeit für mich, wo ich mir die Möglichkeit gebe, ohne viele Einwende oder Kritik zu meiner Malerei zu finden. Selbstverständlich bin ich bei anderen Professoren mit dieser eigenen Haltung auch auf Kritik gestoßen. Aber ich denke, ab einem gewissen Punkt muss man einfach selbst erkennen, was man will und entscheiden, was für einen selbst und seine Arbeiten sinnvoll ist.


Mit Deinen Werken hast Du bereits eine sehr eigene Bildsprache entwickelt. Wie entsteht ein Werk und welche Rolle spielen Buchstaben und Worte in den Bildern? Erzähle doch ein wenig zum Entstehensprozess und was Du mit Deinen Bildern sagen möchtest.


Ich male oder zeichne, wenn ich die Lust dazu verspüre. Und das bleibt hoffentlich eine langanhaltende Lust. Mich zu einem Bild zu zwingen, funktioniert nicht. Es entsteht nämlich ohne Skizzen - und alles intuitiv und spontan. Meist geht der Moment des Malens mit einem Moment des Unaussprechlichen einher. Situationen in denen mir die Macht der Worte verloren geht und mein Kopf von Gedanken, Worten, Empfindungen, Erlebnissen zu überlaufen droht, genau dann weiß ich, dass mir die Pinsel wieder meine ganz persönliche Tür zur Malerei öffnen. Wenn ich dann male, versuche ich alle Grenzen auszulöschen. Die Leinwand ist ein Ort an dem ich alles darf und niemand sagen kann, dass es falsch ist.


Daher sind auch immer Arbeiten aus Mischtechnik entstanden, Acryl, Tusche, Kohle und vieles mehr; alles darf aufs Bild, wenn es der Moment erlaubt. Ein Bild besteht meist aus viel mehr als nur einem Thema, wobei der Mensch eine wichtige Rolle spielt. Manchmal finden sich auch Kindheitserinnerungen, Stimmen meiner Jugend und die Politiknachrichten des Vortags gemeinsam auf einem Bild wieder. Nichts ist sicher vor meiner malenden Hand. Das der Betrachter genau das sieht, was ich dabei gedacht oder empfunden habe, ist mir nicht wichtig. Meine Bilder sollen legitimieren, alles zu sehen oder etwas anderes zu sehen. Zufrieden bin ich persönlich dann, wenn ich für einen kurzen Augenblick selbst nichts mehr denke, davor stehe und meine Augen einfach nur schauen. Dann ist es für einen Augenblick ruhig und meine Gedanken beruhigen sich. Dass bald darauf wieder der nächste Gedankenstrom die Ruhe durchbricht, ist gewiss. Aber da ich mich entschieden habe, auch immer nur genau dann zu arbeiten, sind es Momente, die ich freudig in Empfang nehme.


Die Buchstaben und Worte sind Fetzen aus genau diesem Gedanken, Erinnerungs- Empfindungs- und Bilderpool. Es sind einzelne Worte oder manchmal auch Ausrücke, die als solches genügen und für Außenstehende oft unlogisch, unsinnig wirken oder Fragen aufwerfen. Werde ich gefragt, was das Bild bedeutet oder zeigen soll, weiß ich oft nur schwer zu antworten, weil es eben in einer dieser unaussprechlichen Momenten entstanden ist.


Meine Bilder sind ein Medium dafür, alles Erlebte, meine Gedanken, Gefühle, Erinnerungen zu verarbeiten und mir selbst anschaulich zu machen. Für den Betrachter ist dies mal leicht und mal völlig unmöglich zu entziffern. Genauso wenig wie ich mir Grenzen setze, möchte ich auch dem Betrachter keine Grenzen setzen etwas zu sehen, was er eventuell einfach sehen will. Deshalb bekommen meine Bilder auch oftmals keine Titel, da diese dem Ganzen eine mir persönlich zu bestimmte, individuelle Endgültigkeit in ihrer Deutung geben. Letztlich können wir ja nie wissen, was jemand anderes denkt und genau dieses Geheimnis möchte ich aufrecht erhalten.


Du hast bereits an einigen Museen ausgestellt. Nun zeigen wir eine digitale Einzelauusstellung mit Deinen Werken in unserem ARTSPACE NEXUS. Welchen Titel möchtest Du der Ausstellung geben und welche Herausforderung und Chancen siehst Du bei einer Online-Präsentation?


Ich denke, “UNTITLED” ist der passende Titel für die Ausstellung. Ob ohne Titel oder betitelt ist für meine Bilder im Moment irrelevant. Vielleicht regt der Titel zu einem intensiveren Blick an, der etwas erst Verborgenes offenbart und erst beim genaueren Hinsehen und Hinterfragen enthüllt.


Ich denke die Online-Präsentation zeigt ganz neue Chancen des Ausstellens auf. Wie oft kommt Besuchern etwas dazwischen, wie oft ist es zeitlich unpassend, oder der Ort zu weit gelegen und dann ist die Ausstellung schon wieder vorbei. Der ARTSPACE NEXUS macht es mir möglich von überall gesehen zu werden - und das nicht zur zweidimensional, sondern dreidimensional. Vor allem in der aktuellen Krisenzeit auf Grund des Coronavirus, in der die Museen nicht besucht und die Bilder verlassen an der Wand hängen, gibt der ARTSPACE NEXUS die Möglichkeit, Kunst sichtbar werden zu lassen – für jedermann von zuhause und überall.




Text und Interview: Ruth Polleit Riechert

Artikel zuerst erschienen auf kunstbar.de #RPRART #RuthPolleitRiechert #ArtMarketExpert #ArtManagement #ArtAdvisory #JohannaClaraBecker

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